Auf Mission – Im Lande des Flächelns (Teil1)

Mein Name ist Fink, B. Fink. Eigentlich mein Deckname. Meine wahre Identität ist geheim. So geheim, dass ich sie manchmal selbst nicht kenne. Mein Ziel: der flache Norden, eingekeilt zwischen zwei Meeren.
Meine Mission: das Land mit Kultur zu infiltrieren.
Ich beginne dort, wo es am wenigsten Widerstand gibt und die größte Nachhaltigkeit zu erwarten ist: Bei den Kindern.

“Verändere die junge Generation … und du veränderst die Zukunft!”

05.03.2011 Die Mission beginnt vorbildlich: Die Anfahrt von Süden ist frei und selbst der Elbtunnel bietet mir keinen Widerstand. Mein erstes Ziel: Pinneberg!
Irgendwo musst Du starten, warum nicht hier?! Der Gastgeber heißt Stefan, ist freundlich, hilfsbereit und hat eine bezaubernde Tochter, die mir französische Vokabeln beibringt. Hey, sollte meine Mission vergebens sein, gibt es hier vielleicht doch schon Kultur?
Ich lasse mich nicht bremsen, wozu habe ich eine Geschichte mit viel Herz mitgebracht.
Der Laden ist voll, die Zuschauer sind großartig, sogar Erwachsene und noch ältere Menschen freuen sich an meiner Aufführung. Oder ist doch nur alles den neu angeschafften Puschelteppichen des Geschwister-Scholl-Hauses zu verdanken, die sogar einen Extra-Applaus erhalten … Die nächsten Tage werden es beweisen.

05.03.2011 Abends
Ankunft an meiner wohlbekannten Basisstation: “FeWo Max” in Ulsnis, auch das natürlich ein Deckname. Mein Dankgebet gilt den wunderbaren Hausbesitzern für ihr gutes Herz und ihre Gastfreundlichkeit, ebenso der großartigen Arbeit meiner Zentrale, die dieses Etablissement wieder zur Verfügung gestellt hat. Erinnerungen an frühere Missionen werden wach. Ich drohe in Nostalgie zu verfallen. Aber: Kein Internetanschluss! Verdammt. Sollte es doch den Charakter eines Urlaubs bekommen?

06.03.2011 Das Land zeigt sich von seiner besten Seite: flach und mit herrlichstem Sonnenschein. Es will mich wohl beeindrucken. Ich kann nicht anders, ich bin beeindruckt.
Schon am zweiten Tag eine Grenzsituation: Schafflund kurz vor der dänischen Grenze. Ob man mich hier überhaupt versteht? Aber schon bei meiner Ankunft werden mir alle Sorgen und Kisten aus der Hand genommen und zur Bühne transportiert. Die Zentrale hat alles hervorragend organisiert, die Veranstalter vor Ort sprechen meine Sprache und lesen mir die Wünsche von den Lippen. Die Leckereien erleichtern das Wohlgefühl, das sich einschleicht. Ich kann befreit aufspielen und auch wenn die Leute eher still zuschauen, ich glaube, ich habe sie erreicht. Was für ein erfolgreicher Tag.

07.03.2011 Flensburg – Stadt der Punkte, des Handballs und der Erotik. Durchkeilt vom Meer, und kurz vor dem Ende des Landes. Hier gilt es alles zu geben. Ich nehme die Herausforderung an. Und das gleich drei mal!
Erster Ort: Heilandskapelle. Okay, man will mich an meinen christlichen Wurzeln packen! Warum nicht, ein guter Ort für eine Mission.
Trotz schönstem Wetter und Rosenmontag ist es gut besucht. Halt: Rosenmontag!? Wieder einmal hat mich keiner gewarnt. Eine aufgedrehte Schar von Dauerzwischenrufern … hey, wenn das nicht ‘ne Herausforderung ist. Mann, wir sind alle miteinander gut bis zum Ende der Geschichte gelangt und hatten Spaß dabei.
Und wiederum gibt es helfende Gastgeber mit leckerem Imbiss und guter Laune. Mir schwant: Dieses Land hat bereits Kultur … braucht es mich dafür überhaupt noch?
Ich werde die Zentrale kontaktieren, ob wir darob die Mission abbrechen müssen.
Hoffe, man gibt mir noch eine Chance.

Dieser Beitrag wurde unter 2010/11 veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>